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Fülllaute vermeiden: Warum wir „Ähm“ sagen – und wie du dir das abgewöhnst

Du kannst fachlich brillant sein – wenn du alle zwei Sätze „ähm“ sagst, wirkt es trotzdem unsicher, unklar oder unvorbereitet. Nicht, weil dein Inhalt schwach wäre, sondern weil Füllaute Aufmerksamkeit binden, die eigentlich deiner Botschaft gehören sollte. Und je wichtiger die Situation, desto stärker fällt es auf: Meeting, Vortrag, Pitch, Video. Dabei ist Fülllaute vermeiden ganz einfach. Die Fülllaute entstehen aus nachvollziehbaren Gründen – und genau deshalb kannst du sie mit ein paar gezielten Stellschrauben deutlich reduzieren.

 

Was sind Füllaute überhaupt?

Andere Begriffe für Fülllaute sind Verzögerungslaute oder Verlegenheitslaute. Im Kern geht es immer um dasselbe: Du überbrückst einen Moment, in dem dein System kurz arbeitet.

Die naheliegenden Erklärungen klingen plausibel: Eine Pause fühlt sich unangenehm an, du willst Zeit zum Denken gewinnen oder du möchtest signalisieren: „Ich bin noch nicht fertig.“

Damit sind wir schon bei der nächsten Frage.

 

Warum sagen wir „Ähm“?

Um das zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie Sprache im Gehirn entsteht. Während du sprichst, nutzt dein Gehirn kleine Denkpausen, um

  • die richtigen Wörter zu finden,

  • sie in eine grammatikalisch passende Reihenfolge zu bringen,

  • Betonungen und Satzmelodie festzulegen.

Da passiert also ziemlich viel in sehr kurzer Zeit. Die Denkpause ist normal. Die Frage ist nur: Warum füllen wir sie so oft mit einem Laut?

 

Ursache 1: Atmung und Energiesparen

Die Sprechatmung unterscheidet sich deutlich von der Ruheatmung. Beim Sprechen wird alles darauf eingestellt, durch den geführten Luftstrom der Ausatmung die Stimmbänder in Schwingung zu versetzen. Solange du am Stück weiter sprichst, läuft das energieeffizient.

Sobald du eine größere Pause machst, kippt dein System leichter zurück in die Ruheatmung – und der Aufwand ist höher, wieder neu anzusetzen und in die Sprechatmung zu wechseln. Ein Fülllaut kann diese Denkpause überbrücken. Vereinfacht: Er hält dich im Sprechmodus.

 

Ursache 2: Rederecht sichern und Kontakt halten

Füllaute haben auch eine kommunikative Funktion. Indem du die Pause vermeidest, hältst du den Kontakt und machst deutlich:

„Ich möchte noch weiter sprechen.“

Gerade im Dialog schützt das dein Rederecht. Auch das ist erstmal nicht „falsch“.

 

Warum du Füllaute trotzdem reduzieren solltest

Weil es nicht um das eine Ähm geht, sondern um die Häufigkeit. Wenn Füllaute zu oft auftreten, wirkt es schnell wie

  • Konzentrationsschwäche,

  • Unsicherheit,

  • oder eine sprachliche Marotte.

Dann lenken die Ähms vom Inhalt ab und verringern die Wirkung deiner Botschaft.

Wie stark das stört, hängt vom Format ab: Im persönlichen Gespräch fällt es weniger auf. In einer Rede oder Präsentation erwartet das Publikum flüssigeren Vortrag. Besonders störend sind Füllaute überall dort, wo die Stimme im Zentrum steht – Audio, Video, Bühne.

 

Besonderheit im Monolog: Pausen sind Pflicht

In monologischen Redesituationen gibt es einen wichtigen Punkt: Pausen sind kein Fehler, sondern ein Werkzeug. Sie geben deinen Zuhörern die Möglichkeit, durchzuatmen und das Gehörte zu verarbeiten. Außerdem strukturieren Pausen deine Rede, schaffen Abwechslung und verstärken Aussagen.

Und noch etwas: Die Funktion des „Bitte unterbrich mich nicht“ spielt hier kaum eine Rolle – das Rederecht liegt ohnehin bei dir.

 

Wie du „Ähms“ vermeidest: 4 wirksame Methoden

1) Sprich einfacher: Hauptsätze statt Nebensatz-Ketten

Komplexe Satzkonstruktionen können dein Gehirn überfordern – besonders unter Stress. Dann suchst du mitten im Satz nach Grammatik oder Wörtern. Genau dort entstehen die Ähms.

Mach es dir leicht: Kurz. Klar. Hauptsatz.
Zwei klare Sätze sind fast immer besser als ein Schachtelsatz.

 

2) Ersetze Ähms bewusst durch Pausen

Das kostet am Anfang Überwindung: Hab Mut zur Lücke. Für dich fühlt sich eine Pause oft länger an als sie ist. Für Zuhörer wirkt sie souverän.

Wenn du hängen bleibst:
Pause. Atmen. Weiter.
Keine Geräusche dazwischen.

 

3) Überlege vorher kurz, was du sagen willst – und übe laut

Viele Füllaute entstehen, weil du beim Sprechen erst sortierst, was du eigentlich sagen möchtest.

Vor einem Gespräch oder Meeting reichen oft 20 Sekunden:

  • Was ist meine Hauptaussage?

  • Welche 2–3 Punkte stützen sie?

  • Was ist mein Schluss?

Für Vorträge gilt zusätzlich: laut üben. Still lesen bringt wenig. Lautes Üben speichert Formulierungen im Körpergedächtnis – dann musst du live weniger suchen.

 

4) Sprich auf Punkt und setze Betonungen

Viele Ähms hängen am Satzende, wenn du das Ende nicht sauber setzt. Dann wirkt es, als würdest du „in der Luft hängen“.

Hilft:

  • Satzenden klar abschließen,

  • wichtige Wörter betonen,

  • danach eine Mini-Pause zulassen.

 

Übung: In 10 Minuten zu weniger Ähms

Wenn du es praktisch testen willst:

  1. Nimm ein 60–90 Sekunden Video auf und erkläre ein Thema frei.
  2. Zähle die Ähms.
  3. Nimm es nochmal auf – diesmal mit:
    • einfachen Sätzen,

    • Pausen statt Ähms,

    • kurzer Vorbereitung (3 Stichpunkte),

    • Sätzen auf Punkt.

Du wirst den Unterschied sofort hören.

 

Fazit

Füllaute entstehen aus Denkpausen, Atmung und Gesprächsdynamik. Das ist normal. Aber wenn sie zu häufig werden, schwächen sie deine Wirkung. Die wichtigsten Hebel sind klar: einfacher sprechen, Pausen zulassen, kurz vorbereiten, Sätze auf Punkt.

Wenn du das Thema wirklich in den Griff bekommen willst: Such dir eine konkrete Situation (Meeting, kurzer Pitch, Selbstvorstellung) und trainier es 7 Tage lang jeweils 3 Minuten mit der Video-Übung aus dem Artikel. Du wirst in einer Woche hörbar besser.

Und wenn du das schneller und gezielt willst: Buche ein Kennenlerngespräch. Dann schauen wir uns gemeinsam an, wo deine Füllaute herkommen (Atmung, Satzbau, Stress, Tempo) und bauen dir eine klare Routine, mit der du in Gesprächen und auf der Bühne ruhiger, präziser und überzeugender klingst.

Dein Michael 

 

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