Du merkst schon beim Zuhören, wenn es anstrengender wird. Oft liegt das an den vielen „Ähms“. Heute geht es darum, wie du solche Fülllaute vermeiden kannst. Dafür gibt es nämlich ein paar sehr effektive Methoden. Doch bevor wir uns die angucken, klären wir erstmal die Frage: Wie entstehen diese Füllaute überhaupt? Warum sagen wir „Ähm“?
Was sind Füllaute – und wozu sind sie da?
Andere Begriffe für Fülllaut sind Verzögerungslaut oder auch Verlegenheitslaut. Machen wir es also, weil uns eine Pause in Verlegenheit bringen würde? Soll tatsächlich ein peinliches Loch im Satz oder Gedanken gefüllt werden? Oder geht es darum, etwas zu verzögern, um mehr Zeit zum Denken zu haben?
Klingt erstmal alles plausibel. Um mehr darüber zu verstehen, müssen wir uns anschauen, wie Sprache im Gehirn entsteht:
Während wir sprechen, nutzt das Gehirn diese kleinen Denkpausen, um
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die richtigen Wörter zu finden,
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sie in eine grammatikalisch korrekte Reihenfolge zu bringen,
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und Betonungen festzulegen.
Da passiert also ganz schön viel in sehr kurzer Zeit. Bleibt immer noch die Frage, warum wir diese Pause jetzt mit einem „Ähm“ überbrücken.
Zwei Ursachen für Füllaute
1) Die Atmung
Eine Ursache findet sich in unserer Atmung. Die Sprechatmung unterscheidet sich wesentlich von der Ruheatmung. Beim Sprechen wird alles auf ein Ziel eingestellt: durch den geführten Luftstrom der Ausatmung die Stimmbänder in Schwingung zu versetzen.
Das Ganze läuft sehr energieeffizient ab, solange wir am Stück weitersprechen. Sobald wir eine größere Pause machen, fallen wir wieder in die Ruheatmung zurück. Und dann ist der Energieaufwand höher, wieder neu anzusetzen und in die Sprechatmung zu wechseln.
Unter anderem deshalb wird die Pause durch einen Fülllaut überbrückt. Wir sparen dabei Energie.
2) Kontakt halten
Kommen wir zur zweiten Ursache. Das Vermeiden von Pausen hat natürlich auch eine kommunikative Funktion: Indem wir Pausen vermeiden, halten wir den sprachlichen Kontakt zu unserem Gegenüber aufrecht. Wir machen auf diese Weise deutlich:
„Ich möchte noch weiter sprechen.“
Warum Füllaute trotzdem ein Problem sein können
Klar: Ähms haben eine Funktion. Aber zu viele davon haben eine Kehrseite. Sie wirken schnell wie Konzentrationsschwäche – als wärst du nicht ganz bei der Sache oder langsam im Denken. Manchmal sind sie auch einfach eine sprachliche Marotte.
Wenn Füllaute zu häufig auftauchen, schmälern sie die Wirkung: Sie nerven, ziehen Aufmerksamkeit vom Inhalt ab und machen das Zuhören anstrengender.
Wie viele „Ähms“ toleriert werden, hängt stark vom Format ab. Im persönlichen Gespräch fällt das weniger ins Gewicht. In einer Rede vor Publikum erwartet man dagegen einen flüssigen Vortrag.
Und in monologischen Redesituationen gilt noch etwas: Pausen sind Pflicht. Sie geben deinen Zuhörern Raum zum Verarbeiten, schaffen Struktur, Abwechslung – und machen den Satz davor oft stärker. Die Ähm-Funktion „Bitte unterbrich mich nicht“ brauchst du hier sowieso nicht: Das Rederecht liegt klar bei dir.
Wie vermeidest du „Ähms“? Vier Tipps
Jetzt kommen wir zur Frage aller Fragen: Wie vermeide ich Ähms? Und hier sind vier sehr konkrete Tipps:
1) Sprich einfach
Das heißt: Bilde Hauptsätze statt vielen Nebensätzen. Komplexe Satzkonstruktionen können dein Gehirn leicht überfordern. Gerade in Stresssituationen verhedderst du dich dann in der Grammatik und suchst nach den richtigen Worten. Das führt natürlich zu Ähms.
Versuche daher, deine Sätze klar und präzise zu formulieren und Nebensätze auf ein Minimum zu beschränken.
2) Ersetze die Ähms durch Pausen
Das kostet zunächst etwas Überwindung: Hab Mut zur Lücke. Für dich fühlt sich so eine Pause meist wie eine Ewigkeit an. Deinen Zuhörern und deiner Botschaft wird sie gut tun. Gerade in monologischen Redeformaten solltest du deinem Publikum die Möglichkeit geben, durchzuatmen.
Wenn du mitten im Satz hängenbleibst, versuche das Ähm durch eine kurze Pause zu ersetzen. Das gibt auch dir Zeit, um deine Gedanken zu sortieren und verhindert unnötige Lückenfüller.
3) Überlege vorher, was du sagen möchtest
Wenn du dir im Vorfeld eines Vortrags oder eines Gesprächs Gedanken darüber machst, was du sagen möchtest, fällt es dir später leichter, dich flüssig auszudrücken.
Und wenn du tatsächlich eine Rede halten möchtest, dann sprich sie vorher mehrmals durch. Dadurch speichern sich die Inhalte und Wörter nicht nur in deinem Gedächtnis, sondern auch im Körpergedächtnis.
4) Sprich die Sätze auf Punkt und setze Betonungen
Eine klare Aussprache und ein deutliches Betonen von Satzenden hilft dabei, flüssig zu sprechen und Ähms zu vermeiden.
Übung: Jetzt bist du dran
Nimm ein kleines Video auf und erzähl der Kamera, was du aus diesem Text mitgenommen hast und was du davon umsetzen möchtest.
Versuche dabei, Füllaute so gut es geht zu vermeiden. Anschließend schaust du es dir an und zählst, wie viele Ähms du gemacht hast.
Danach probierst du es gleich nochmal:
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mit einfachen Sätzen,
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du überlegst vorher, was du sagen willst,
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du setzt Pausen,
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und du sprichst auf Punkt.
Probier es aus. Du wirst vom Ergebnis überrascht sein. Wenn du es erstmal geschafft hast, ohne Füllaute zu sprechen, wird es dir richtig Spaß machen.




